3. OSTERSONNTAG

1. Lesung (Apg 2,14.22-32)

Evangelium nach Joh (21, 1-14

 

Nach dem Tod von Jesus haben seine Freunde unglaublich überraschende Erfahrungen gemacht, die ihr Leben verändert haben. Die Evangelisten haben, 40-60 Jahre später, diese Erfahrungen, in der Form von Erzählungen beschrieben. Sie konnten natürlich nicht exakte, historische Beschreibungen geben, sondern versuchten, durch symbolische Erzählungen, eine Glaubensüberzeugung auszudrücken.

Deswegen gibt es so viele unterschiedliche Erzählungen von den sogenannten Erscheinungen. Einmal ist der auferweckte Jesus plötzlich da und dann ist er wieder nicht da. Maria von Magdala erkennt Jesus nicht, meint zuerst den Gärtner zu sehen. Nachher sagt Jesus zu ihr: »Rühre mich nicht an! Halte mich nicht fest«. Zu Thomas sagt er: „Rühre mich an! Hier sind die Male der Nägel und die Seitenwunde.“ Zuerst erkennen die Emmausjünger Jesus nicht als sie mit ihm unterwegs sind. Aber am Abend, beim Brotbrechen, gehen ihnen die Augen auf. Manchmal scheint Jesus körperlos zu sein, so dass er bei geschlossenen Türen hereinkommt, aber dann ist er so leiblich, dass er vor den Augen der Jünger ein Stück gebratenen Fisch verzehrt.

Im heutigen Evangelium erkennen unsere Fischer Jesus zuerst nicht, obwohl es schon das dritte Mal ist, dass er ihnen „erscheint“. Warum hören diese berufserfahrenen Männer auf einen Fremden, gehen direkt wieder fischen, obwohl sie wissen, dass man beim Fischen nur Erfolg haben kann, wenn man es in der Nacht macht? Und warum dieser komische Rat, das Netz auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen? Wozu? Warum sind es ganz genau 153 Fische die dann im Netz sind und wieso haben die Jünger diese so schnell gezählt?

Es sind lauter Erzählelemente, die von den Evangelisten bewusst verwendet wurden, um uns deutlich zu machen, dass es hier um ein tieferes Geschehen, um eine tiefere Erfahrung geht, wofür es eigentlich keine natürliche Erklärung gibt: Jesus lebt wirklich. Und diese sogenannten „Erscheinungen“ geschehen nicht an einem heiligen Ort, etwa in einer Synagoge oder gar im Tempel von Jerusalem. Sie geschehen am Arbeitsplatz der Jünger, mitten im Alltagsleben.

Durch diese Erfahrungen werden diese Menschen wie neu, mit Zuversicht, mit innerer Kraft. Ein Beispiel dafür ist Petrus in der 1. Lesung, der in aller Öffentlichkeit zu den Menschen sagt: „Ihr kennt Jesus von Nazareth, den ihr umgebracht habt... Durch ihn war Gott selbst am Werk... Gott hat Jesus auferweckt und damit die Macht des Todes gebrochen“. Und deswegen kann er die Worte von David aus dem A.T. sagen: „Selbst wenn ich sterbe, hoffe ich auf dich, Herr! Du wirst mich nicht dem Tod und der Verwesung überlassen, ich gehöre ja zu dir. Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Deine Nähe macht mich froh und glücklich... Ja, diesen Jesus hat Gott tatsächlich von den Toten auferweckt. Das können wir alle bezeugen.“

Jesus spricht durch Menschen zu uns. Das kann mitten im Alltag geschehen, in Begegnungen, durch Geschehnisse, durch bestimmte Worte, die uns plötzlich innerlich tief berühren und ergreifen. Das kann z.B. passieren, wenn einer mir - wie Jesus den Jüngern - Mut macht, es doch einmal ganz anders zu versuchen. Jesus steht oft am Ufer - aber er ist da. Das wird uns meistens nur im Nachhinein klar, wie bei den Jüngern, nachdem sie „ausprobiert“ haben, was dieser Fremde am Ufer ihnen geraten hat, und sie den Erfolg spüren. »Es ist der Herr!«

Jesus spricht zu uns persönlich durch die Worte der Bibel, durch das Brot, das wir brechen. Das ist uns nicht immer bewusst. Eine Eucharistiefeier wird oft nur ein äußeres Geschehen sein, wo Jesus nur am Rande, als unerkannter Fremder steht. Aber so eine Feier kann immer wieder, unerwartet, zu einer tiefen Begegnung mit ihm werden. Vielleicht lädt er auch uns dazu ein, unsere Netze auf eine andere Seite zu werfen, gerade wenn wir das Gefühl haben, irgendwie „erfolglos“ zu sein.

Es ist gut, dass wir uns ab und zu mit Jesus zusammensetzen, mit ihm Mahl halten. Dann ist er da und gibt uns Kraft. Ist es nicht das, was der Evangelist Johannes uns mit der heutigen Erzählung sagen will?

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